Geschichte


Am 31.03.1910 fand auf unserem Friedhof die erste Beerdigung statt. Frau Wilhelmine Koske wurde beigesetzt.

Im Jahr 1927/28 wurde dann die Friedhofskapelle erbaut von dem Baumeister Erich Olszewski, der in Weißensee einige Gebäude errichtete und bei uns bis heute noch sein Ehrengrab hat. Die Kapelle wurde anfangs mit einem eisernen Kesselofen beheizt. Da dieser aber mehr Qualm als Wärme abgab, blieb die Kapelle kalt. Erst 1974 wurde die Kapelle umfassend renoviert, mit Gasheizung versehen, neuem Gestühl und Kunstverglasung. Es wurde ein neuer Arbeiteraufenthaltsraum geschaffen, welcher vorher im feuchten Keller mit eisernem Ofen, einem alten Tisch, 2 alten Stühlen und einem morschen Umkleideschrank unzumutbar existierte. Die Treppe zum neuen Aufenthaltsraum wurde notdürftig repariert. Die Vorräume der Kapelle mit Türen und Fenstern versehen und als Warteräume nutzbar gemacht. Natürlich kam die malermäßige Renovierung und eine neue Lampenanordnung dazu. Die Gerüste von der Stadtsynode wurden von Gemeindemitgliedern und dem Verwalter auf- und abgebaut. Auch das Dach wurde neu gedeckt.

Die nächste Modernisierung fand 2004 statt. Eine Firma installierte eine moderne gassparende Heizungsanlage. Die bislang letzte Baumaßnahme an der Kapelle war 2005 als die Eingangstreppe nach Denkmalschutzvorschriften erneuert wurde.

Die Toreinfahrt bestand damals aus Mauerwerkpfeilern. Dank dem Gemeindekirchenrat und seinen Beziehungen zu Herrn Burghardt bekam der Friedhof das große Friedhofstor eingebaut. Ebenso ist es dem Gemeindekirchenrat zu verdanken, dass auf dem Gelände eine neue Friedhofstoilette gebaut wurde. Erstmalig aus eigenen geldlichen Überschüssen entstand auch der den gesamten Friedhof einfassende stabile Metallzaun in Eigenleistung.

Der derzeitige Blumenladen auf dem Friedhofsgelände wurde 1976 eröffnet. Margit Bremer erbaute mit Hilfe von Familie und Freunden aus eigenen Mitteln ein Steinhaus und gab dem Geschäft den Namen "Blumen-Bremer".

Der erste Blumenladen entstand allerdings schon im Jahr 1955. Franz Muchow baute sich ein kleines Holzhäuschen und verkaufte von da an Blumen und Gestecke. Nach Aussagen von Herrn Muchow war sein Großvater der erste Verwalter dieses Friedhofs ohne feste Anstellung. Er bekam pro Beerdigung 1 Taler. Alle übrigen Leistungen erfolgten anscheinend privat. Der erste fest angestellte Friedhofsinspektor war Herr Gottschalk, welcher seinen Dienst bis zum Jahr 1936 versah. Danach trat Herr Dreefs mit seiner Frau die Nachfolge an. Mit 73 Jahren begab er sich in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger war Herr Hermann Kieburg, der von 1963 bis 2000 den Friedhof über 36 Jahre verwaltete. Frau Mayer, die Tochter von Herrn Kieburg ist seit 2000 die Verwalterin und somit die erste Frau in der Riege.

Zu betreuen waren bis 1993 immer 2 Friedhöfe. Auf dem so genannten "Alten Friedhof" zwischen Piesporter Str. / Bernkasteler Str. und Wittlicher Straße gelegen, wurde bis 1970 beerdigt. Durch ein Edikt des damaligen Magistrats von Groß-Berlin aus dem Jahre 1953 sollte der Friedhof geschlossen werden.

Allerdings blieb uns der so genannte "Neue Friedhof" auf dem heute die Beisetzungen stattfinden erhalten und man kann heute stolz auf über 100 Jahre zurückblicken. Nach der Entstehung hatte der Friedhof eher einen dörflichen Charakter, was sich darin ausdrückte, dass sich die Friedhofsbesucher untereinander kannten. Alte windschiefe Thujahecken, Flieder- Ahorn- Eschen- Strauchwerk verwuchsen die Grababteilungen. Die Gräber bestanden zu 90% aus Efeuhügeln. Die alten Linden und die 3 Platanen sind die Bäume welche diese 100 Jahre miterlebt haben. Wege und Zufahrtswege bestanden hauptsächlich aus Lehm und waren vor allem bei Regenwetter katastrophal schwierig zu begehen. Die Brauerei in der Indira-Ghandi Straße (früher Lichtenberger Str.) hatten jede Menge Schlackeabfälle. Die wurden von Pferdefuhrwerken in die Piesporter Str. entlang bis zu den Rieselfeldern bei Malchow gefahren und dort irgendwo abgekippt. Anfangs für 5 Mark später für 10-15 Mark pro Fuhre ließ man die Schlacke auf dem Friedhof abladen. Hier wurde sie wenigstens Sinnvoll genutzt, nämlich zum begehbar machen der Zufahrtswege und einen Teil der Piesporter Str. Auch der Platz vor der Kapelle und der Hauptweg, sowie ein paar Seitenwege konnten damit befestigt werden.

Der Baumbestand wurde im Laufe der Zeit enorm erweitert. Da gibt es neben den typischen Bäumen jetzt auch Bäume wie japanische Zierkirchen, Zieräpfel, Blaufichten oder die rotblättrige Zierpflaume. Des weitern haben wir unter Naturschutz stehende Bäume wie eine Rieseneibe und einen Kuchenbaum. Zahlreiche Vogelarten finden hier einen idealen Lebensraum.

Der Friedhof hat heute einen Parkcharakter. Sitzbänke laden zum verweilen ein. Aus Efeuhügeln wurden grüne Wiesen.


Aufgeschrieben aus den Erinnerungen
von Herrmann Kieburg